Die Geschichte geht weiter: Der neue Spieler im Dorf und das Vertrauensproblem
Nehmen wir wieder unser Beispiel aus dem Artikel "Was ist Bitcoin?": Stell dir ein fiktives Dorf mit sechs Personen vor: Einen Landwirt, einen Getränkehersteller, einen Maurer, einen Kinobetreiber, einen Barbesitzer und einen Schokoladenhersteller.
Da Sie mit dem Zwischentauschmittel "Geld" nun die Möglichkeit haben ihre Arbeit zu speichern und skalierbar zu machen, suchen sie sich ein Medium, welches optimal dafür geeignet ist, als dieses zu fungieren.
Die Lösung von gestern: Die Zentralbank
Nun kommt noch ein siebter Akteur zu unserer Dorfgemeinschaft hinzu: Die Zentralbank.
Die Zentralbank stellt selbst keine Waren her. Sie backt kein Brot und baut keine Häuser. Ihre einzige Aufgabe ist es, "Geld" in Form von Papier herauszugeben. Sie verleiht dieses bedruckte Papier an unsere sechs Dorfbewohner und verlangt dafür, dass sie es später inklusive einer Leihgebühr (Zinsen) zurückzahlen.
Das System ist praktisch. Der Maurer muss nicht mehr direkt tauschen, er leiht sich Papiergeld und bezahlt das Kino. Das Papiergeld erhält seinen Wert dadurch, dass unsere sechs arbeitenden Personen darauf vertrauen, dass dieses Papier auch morgen noch einen Wert hat.
Der Haken: Das "Honig-Drucken"
Das System funktioniert, solange die Menge an Papiergeld stabil bleibt und das Vertrauen da ist. Aber die Zentralbank hat eine Macht, die kein anderer im Dorf hat: Sie kann per Knopfdruck mehr Papiergeld erschaffen, ohne dass dafür mehr gearbeitet wurde.
Stell dir vor, in einem Bienenstock gäbe es eine "Banker-Biene", die beschließt: "Der Winter wird hart. Statt echten Nektar zu sammeln, verteile ich einfach Gutscheine für Honig."
Anfangs freuen sich die Bienen über die vielen Gutscheine. Aber wenn sie diese im Winter einlösen wollen, merken sie, dass es gar nicht genug echten Honig für all die Gutscheine gibt. Der Honig-Wert eines jeden Gutscheins sinkt dramatisch. Die harte Arbeit des Sommers wurde durch die "Druckerpresse" entwertet. Versprechen wurden gebrochen.
Genau das passiert in unserem Dorf: Wenn die Zentralbank zu viel Papiergeld druckt (um Krisen zu lösen oder Schulden zu bedienen), verwässert sie den Wert des Geldes, also den Wert der geleisteten Arbeit, das der Maurer und der Landwirt mühsam gespart haben. Man nennt das Inflation. Es ist ein Bruch des Vertrauens.
Die Lösung: Mathematik statt Versprechen
Bitcoin ist das erste System, das Vertrauen in Geld anders löst:
- Du musst Satoshi Nakamoto nicht vertrauen.
- Du musst keiner Regierung oder Zentralbank vertrauen.
- Vertrauen durch Verifizierbarkeit in Mathematik und dem Code, also festen Regeln
- Vertrauen in direkte Demokratie durch die Stimme jeder einzelnen Bitcoin-Node (Prüfer der Transaktionen und Regeln des Bitcoin-Protokolls). Jeder, der Bitcoin nutzt, kann eine eigene Bitcoin-Node als Prüfer aufsetzen und selber bestimmen, nach welchen Regeln Bitcoin ausgegeben wird und bei einer Abstimmung zu neuen Regeln eine Stimme abgeben.
Gemäß dem Motto "Don't trust - verify!".
Bitcoin ist wie ein Naturgesetz. Es ist so, als ob die Regeln eines Bienenstocks in Stein (oder Code) gemeißelt wären: Es wird, wenn sich die Nutzer einig sind, nicht mehr als 21 Millionen geben. Keine zentrale Instanz kann den „Druckknopf“ drücken oder deinen mühsam gesammelten „digitalen Honig“ verwässern.
Durch einen zentralen Geldschöpfer, wie der Zentralbank, muss man: Zentralbankern vertrauen, welche oft durch die gewählten Vertreter eines Volkes/einer Gemeinschaft gewählt worden sind und damit auch den gewählten Vertretern (Politiker) vertrauen.
Parlamentarische vs. direkte Demokratie
Bei einer parlamentarischen Demokratie wählen unsere 6 Dorfbewohner Vertreter, welche für einen definierten Zeitraum Gesetze erlassen und die Regierung kontrollieren. Bei einer direkten Demokratie treffen unsere 6 Dorfbewohner selbst die Entscheidungen durch eine Abstimmung.
Nun kann man sich also die Frage stellen, wem man mehr Vertrauen schenken möchte: der parlamentarischen Demokratie (wie z.B. Zentralbank/Politiker) oder der direkten Demokratie (wie z.B. bei Bitcoin).
Wer weiterhin eigenverantwortlich leben und sein Stimmrecht nicht abgeben möchte, wählt die direkte Demokratie und damit Bitcoin als Geldsystem. Wer Eigenverantwortung und sein Stimmrecht an einen Vertreter abgeben möchte, was für viele leichter ist, wählt das Fiatgeldsystem.
Das Fundament: Alles ist Vertrauen
Geld funktioniert nur aus einem einzigen Grund: Vertrauen.
- Wir vertrauen darauf, dass wir für unseren Geldschein morgen noch genauso viel Brot oder Honig bekommen wie heute.
- Wir vertrauen darauf, dass die Bank unser Erspartes nicht einfach löscht.
- Und vor allem: Wir vertrauen darauf, dass die Zentralbank die Geldmenge nicht so stark ausweitet, dass unsere Kaufkraft schmilzt wie Eis in der Sonne.
Das Problem: In der Menschheitsgeschichte wurde dieses Vertrauen bisher von jeder zentralen Instanz früher oder später gebrochen.
Fazit: Zurück zur Ehrlichkeit der Natur
Wir brauchen Bitcoin, um wieder ein ehrliches Fundament für unsere Gesellschaft zu haben. Ein System, das Fleiß belohnt und Sparer nicht bestraft.
Bitcoin ersetzt das unsichere Vertrauen in Zentralbanken durch die unbestechlichen Regeln der Kryptografie. Es ist die Rückkehr zur ökonomischen Wahrheit – so wie ein Bienenstock nur durch echten Nektar überlebt, nicht durch bedrucktes Papier.
Unsere 6 Dorfbewohner haben nun, aufgrund der Vertrauensprobleme ins Fiatgeld, zu Bitcoin gefunden. Doch wie beweist man die eigene Identität einer Transaktion und das Eigentum an Bitcoin? Darum geht es im nächsten Artikel.
Liebe Grüße,
euer Imker Patrick